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Les Visionnaires - Visionäre Grafikkunst der Gegenwart aus Frankreich
Bad Frankenhausen - In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat sich nach anfänglicher Dominanz der Abstraktion und in Abkehr von jeder einfachen, unreflektierten Realitätssicht in Paris wie vorher schon in Wien oder zeitgleich auch in Prag und anderswo eine im weitesten Sinne figurative Kunstauffassung entwickelt, die von dem Kunstkritiker und Schriftsteller Michel Random (1933 – 2008) als L’Art Visionnaire, als „visionäre Kunst“, bezeichnet worden ist. Ihre Ursprünge liegen zu einem guten Teil in der Nachkriegsentwicklung des Surrealismus, von dem sie sich jedoch schon im Ansatz in ihrem Anliegen, in Anspruch und Umsetzung unterscheidet. Ihre Kennzeichen sind imaginatives Herangehen, metaphysische Wesensschau, Subjektivität und Innerlichkeit in der Wiedergabe der Erscheinungen und eine komplexe Realitätssymbolik, die die Totalität eines ganzen Welt- und Menschenbildes in poetischen Metaphern von archetypischer Gültigkeit spiegelt. Sie ist voller Geheimnis und magischer Bildkraft, erschöpft sich jedoch nicht in einer bloßen Wiedergabe von Traumgesichten und Exaltationen esoterischer Phantastik, sondern verweist auf grundlegende Seinserfahrungen und die zeitgenössische Wirklichkeit wie deren widerstreitende Möglichkeiten, Krisen und Perspektiven.
Um solches leisten und Visionen von existentieller Dimension formulieren zu können, bedarf es einer vollendeten Beherrschung der künstlerischen Mittel, wobei für die „Französische Schule“ vor allem die Tradition von Callot über Piranesi bis zu Bresdin, Hugo, Meryon, Redon und Moreau vorbildhaft scheinen. Von den Versuchungen des Marktes durch einen eher intimen und vergänglichen Charakter weitgehend bewahrt, hat die visionäre Kunst bevorzugt in der Grafik gültig Ausdruck erlangt. So wurden für diese erste deutsche Museumsschau visionärer Kunst der Gegenwart aus Frankreich ausschließlich Arbeiten auf Papier ausgewählt, selbst wenn viele der vorgestellten Künstler auch als Maler hervorgetreten sind. Die Ausstellung im Panorama Museum Bad Frankenhausen (17. März bis 24. Juni 2012) umfasst insgesamt 150 Werke von 14 ausgesuchten Meistern, deren Schaffen mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt. Im Laufe der Jahre haben einige von ihnen eine andere Richtung eingeschlagen, andere hat der Tod allzu früh an einer Fortführung ihres Weges gehindert.
Als eigenständige Strömung ist die visionäre Kunst in Frankreich eine Entwicklung der 60er Jahre, die in den 70er und frühen 80er Jahren zur Blüte gelangte, doch bis heute modifiziert fortwirkt. Erstmals überhaupt wird nun die „Schule visionärer Grafiker von Paris“ als eigenständiger Beitrag Frankreichs zur figurativen Kunst der Gegenwart im deutschsprachigen Raum einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Ausstellende Künstler: Hélène Csech, Dado, Érik Desmazières, Yves Doaré, François Houtin, Jacques Le Maréchal, Étienne Lodého, François Lunven, Alain Margotton, Jean-Michel Mathieux-Marie, Didier Mazuru, Georges Rubel, Gérard Trignac und Jean-Pierre Velly Abb.: oben: Yves Doaré, Lehre vom Zufall, 1973; Mitte: Érik Desmazières, Die Sintflut, 1981; unten: Hélène Csech, Ballade, 1972

Ötlingen – die Künstler und das Dorf – das ART-Dorf Ötlingen – Das Dorf ist ein Teilort von Weil am Rhein und liegt an den südlichen Ausläufern des Schwarzwaldes, an der Grenze zur Schweiz und zu Frankreich. In Ötlingen lebten und arbeiteten viele bekannte Künstler und auch heute zieht es viele Künstler hierher, um sich von der Ruhe und dem herrlichen Ausblick auf die Burgundische Pforte inspirieren zu lassen.
Initiator des ART-Dorfes ist Gerhard Hanemann, der eine Druckerei betreibt und selbst malt. Im Jahr 2005 wurde das erste Bild „Mutter mit Töchtern“ an der Hausfassade der Druckerei befestigt. In seinem Italien-Urlaub 2006 in den Abruzzen, wo Gemälde an den Hausfassaden angebracht sind, entstand die Idee der „ART-Dorf.de – Freilichtgalerie Ötlingen“. Im gleichen Jahr stellt Gerhard Hanemann sein Projekt den Behörden vor, die dieses begrüßen, und Anfang des folgenden Jahres wird das Projekt von der Presse veröffentlicht. Es werden Künstler gesucht, die die Freilichtgalerie mit ihren Kunstwerken unterstützen. Am 14. Oktober 2007 war es soweit, das Projekt ART-Dorf wird mit großem Erfolg der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu sehen sind nun in Ötlingen Gemälde, die die Fassaden der alten Häuser entlang der Dorfstraße schmücken, und in den Gärten präsentieren sich Skulpturen aus Holz, Stein und Metall. Es nehmen 30 Künstler mit 23 Gemälden und 7 Skulpturen teil. Ende 2010 sind es bereits 57 Kunstwerke – 39 Gemälde, 16 Skulpturen und 2 Fotografien – die im ART-Dorf Ötlingen ausgestellt werden.
Tonio Paßlick, Kulturamtsleiter der Stadt Weil am Rhein, schreibt im Buch „Ötlingen – die Künstler und das Dorf“: „Reizvoll an der öffentlichen Galerie der Hausmauern ist auch der Wandel und die selbstverständliche, lebendige Wechselbeziehung zwischen dem ausgestellten Bild und seiner natürlichen Umgebung. Immer wieder kommen neue Werke hinzu, werden Gärten mit Skulpturen bereichert oder neue Perspektiven gefunden. Manche Bilder erzählen Geschichten oder können als pointierte Kommentare ihrer neuen Umgebung verstanden werden. Manche fallen erst bei genauerer Betrachtung auf. Als ob sie schon immer ein natürlich er Teil ihrer neuen Umgebung gewesen wären. Dieses ständige Wechselspiel wird in einer herkömmlichen Galerie mit neutralem Hintergrund nicht so leicht ermöglicht. Es bezieht den Betrachter ein und ermöglicht Wahrnehmungen, die von Alltagserfahrungen abweichen. Damit ist das ART-Dorf weit entfernt davon, Kunst als pure Kosmetik zu missbrauchen. Denn der Anspruch liegt in der bewussten Erfahrung, in der Begegnung mit den künstlerischen Objekten und ihren Hintergründen. Wie eine gute Idee, deren Samen nicht nur am Ursprungsort aufgehen muss. Ötlingen ist bereits heute in kunstsinnigen Kreisen in ganz Deutschland bekannt geworden. Als ein nachhaltiger, wertvoller Beitrag für eine reiche Kunstregion im Dreiland.“ I m Buch wird das Dorf mit seinen Sehenswürdigkeiten vorgestellt und es gibt Ein- und Ausblicke rund ums Dorf. Es stellt ebenso die Porträts der einzelnen Künstler mit Aufnahmen zu ihrer Kunst und aus ihren Werkstätten vor. Im Vorwort ist zu lesen: „Wie rasch aus einer guten Idee ein weithin bekanntes Projekt werden kann, hat Gerhard Hanemann mit dem ART-Dorf Ötlingen bewiesen. Ötlingen ist bereits heute in Kunstkreisen in ganz Deutschland als das Dorf bekannt, das sich selber zur lebendigen Galerie erklärt hat. Ein Glücksfall für die Stadt Weil am Rhein, die neben dem weltweit populären Vitra Campus als Stadt der Stühle ja auch immer Wert auf seine künstlerischen Stärken gelegt hat. In der Umgebung von Basel mit der beispiellosen Zahl von 40 Museen und der weltweit größten Kunstmesse ist es nicht einfach, weitere erfolgreiche Akzente zu setzen. Dem ART-Dorf Ötlingen ist dies eindrucksvoll gelungen. Kunst im öffentlichen Raum nicht nur als nachhaltiges Konzept mit Plastiken auf Plätzen und in Kreisverkehrinseln zu verstehen, sondern als galeristisches Konzept im Einklang mit historischer Bausubstanz und einer einzigartigen Lage im Dreiländereck, das ist dem Initiator dieses vielseitigen Kulturprojektes mit nachhaltiger Wirkung gelungen.
Nun stellt der Drucker und Künstler mit dem vorliegenden Bildband ein Buch vor, das längst nicht nur das ART-Dorf in seinen schillernden Facetten dokumentiert. Mit Hilfe von einer Fotografen-Gruppe und kompetenten Autoren ist eine Hommage auf ein Dorf entstanden, das sich seiner Reize bewusst ist. Ötlingen, der kleine und doch so exponierte Teilort von Weil am Rhein, wird von allen Seiten mit Respekt und unaufdringlicher Sympathie beleuchtet. Eine Entdeckung auch für diejenigen, die glauben, das schöne historische Dorf bereits zu kennen. Man kann nur dazu einladen, sich immer wieder neu zu befassen mit dem Dorf selber und der Kunst, die es nun zum ART-Dorf macht. Dem engagierten Initiator und Künstler Gerhard Hanemann gebührt sehr viel Dank für das unermüdliche Engagement, mit dem das Projekt und der Bildband selber umgesetzt worden sind.“ Tonio Paßlick, Kulturamtsleiter der Stadt Weil am Rhein. Abb.: oben von links nach rechts: Wernt Hann, Sonnenblumen-Blatt; Gabriela Jansen, Balance; Jochen Adolff, Tänzer; im Text von oben nach unten: links: Gerhard Hanemann; rechts: Patrick Wendling, Karo; links: Hanspeter Goldian, Zeit-Geist; rechts: Christel Benz, Begegnung im Sommer; unten von links nach rechts: Simone Urbanke, Paar; Stefan Winterle, Schaukel; Henrik Andersen, Skulpturen aus Metall– alle Abb.: aus: “Ötlingen – die Künstler und das Dorf”

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